Welches Linux eignet sich für mich?

Prinzipiell ließe sich Minecraft auf so ziemlich jeder Linuxdistribution installieren und spielen. Bei hunderten von teils recht speziellen Distributionen können wir unmöglich auf alle eingehen.

Wir beschränken uns daher auf Distributionen, die nutzerfreundlich und nicht zu kompliziert zu installieren sind.

 

Ein anderer wichtiger Faktor ist Stabilität und langfristige Unterstützung mit (Sicherheits-) Updates.

Deswegen konzentrieren wir uns hier auf vier sogenannte LTS (Long Term Support) -Distributionen, die bis zu fünf Jahren unterstützt werden, bevor man das Betriebsystem updaten müsste. Das Gegenteil von LTS wäre eine "Rolling Distribution", die immer direkt mit den neuesten Softwarebestandteilen versorgt wird. Der Nachteil dabei: Der zusätzliche Aufwand der ständigen Systempflege und eventuelle Instabilitäten und neue Bugs. "Rolling Distributionen" eignen sich daher nur für erfahrenen Nutzer, die auch Spaß daran und Zeit dafür haben, an ihrem System herumzudoktorn. =)

 

Die folgend vorgestellten Distributionen, wurden von uns schon installiert und benutzt. Unser Fazit ist natürlich stark subjektiv geprägt und auch teilweise einfach nur Geschmacksache.

Alle unten aufgeführten Distributionen lassen sich auch von einer sogenannten "Live-CD", also einer DVD oder einem USB-Stick mit einer Systeminstallation starten, OHNE dass die Installation auf der Festplatte notwendig ist. So könnt ihr das erstmal ausprobieren, vergleichen und gucken, welche Distribution euch am besten gefällt, falls ihr noch unsicher seid und DANN installieren (oder auch nicht). Die Installation selbst ist dann wirklich selbsterklärend, sehr einfach und unterscheidet sich nur minimal zwischen den vorgestellten Distributionen.

Auch parallele Installationen neben Windows sind möglich, jedoch haben wir damit keine Erfahrung, da wir kein Windows brauchen bzw. es auch nicht wollen. Wir gehen auch davon aus, dass ihr einen Rechner habt, der entweder ohne richtiges Betriebssystem (freeDOS) kam oder ihr habt Windows aus diesem oder jenem Grund satt.

Alle aufgeführten Distributionen kommen mit umfangreichen Softwarepaketen und wenn einmal ein bestimmtes Programm nicht direkt mit dabei ist, lässt es sich in der Regel über die Softwarecenter mit einem Klick installieren.

Vom kompletten und ausgezeichneten Office Paket (Libre Office) über die professionelle Bildbearbeitung (Gimp) und Vektorgrafik (Inkscape) bis hin zu (Comic-)Illustration (Krita) und 3D Rendering und Videoerstellung (Blender)  gibt es fast nichts, was es nicht gibt. ... und das alles kostenlos!
Und für die Gamer gibt es neben zahlreichen kostenlosen Linuxgames und systemübergreifenden Java-basierten Games natürlich auch noch mit Steam eine extrem gut sortierte Gameplattform mit vielen für Linux portierten Games.


Linux Mint

Linux Mint ist aktuell die "populärste" Distribution, zumindest, wenn man die Statistiken von Distrowatch.com ansieht. 

Es handelt sich um eine, auf Ubuntu (s.u.) basierende, "All-In-One"-Installation, inklusive zusätzlicher, proprietärer Mediacodecs (z.B. MP3) und einem sehr umfassenden Softwarepaket.

Mint 17.2 (17.3) war das erste Linuxsystem, das wir auf Svens Notebook installiert hatten. Soweit, so unproblematisch. Alles funktionierte auf Anhieb und man findet sich schnell zurecht.

 

Was uns nicht so gut gefiel:

  • Auf Dauer ist der Cinnamon-Desktop schon sehr Windows 7-mäßig und designtechnisch aus unserer Sicht etwas dröge.
  • Viele neuere GTK-Themes ließen sich nicht oder nur mit Abstrichen installieren.
  • Die (Sicherheits-) Updatepolitik von Mint steht auch in der Kritik und kann besonders bei unerfahrenen Nutzern zu langfristig ungeschützten Systemen führen.
  • Dann gab es ja Anfang 2016 leider auch noch ein weiteres gravierendes Sicherheitsdebakel, bei dem sowohl das Mint-Forum als auch ein Server gehackt wurde, von dem die Installations-.iso vertrieben wurde. Das Sicherheitsleck wurde zwar sofort gestopft, spricht aber trotzdem nicht gerade für ein großes Sicheheitsdenken bei Mint.

In der Addition leider genug Gründe für uns, uns nach einer anderen Distribution umzusehen.

Mit Sicherhehit aber dennoch ein interessantes System mit zahlreichen Fans, vor allem für Umsteiger von Windows 7.

Unten im Video der aktuelle Cinnamon 3 Desktop von Mint 18.


Ubuntu

Ubuntu ist die wohl weltweit am weitesten verbreitete Linux-Desktopdistribution. Standardmäßig wird sie mit dem, vom Ubuntu-Sponsor Canonical entwickelten Unity-Desktop ausgeliefert. Viele andere Distributionen bauen auf dem "Ubuntugerüst" auf und kombinieren es jedoch oft mit anderen Desktops oder Applikationen. Allerdings lässt sich auch das einfache "Vanilla"-Ubuntu mit anderen Desktops wie z.B. Gnome oder Cinnamon versehen, wenn der Unity Desktop nicht zusagt. 

Ubuntu wird von der britischen Softwarefirma Canonical gesponsort und professionell betreut. Zusätzlich hat Ubuntu die mit Sicherheit größte international Community. 

Auch Ubuntu kommt, ähnlich wie Mint mit einem riesigen Softwarepaket. Aus Lizenzgründen enthält die Installationsdatei noch keine proprietären Mediacodecs. Diese können jedoch durch einfaches Setzen ein Häkchens während der Installation als ubuntu-restricted-extras aus dem Web mitinstalliert werden. 
Als erste Anlaufstelle für Fragen rund um Ubuntudistributionen dient das deutschsprachige Ubuntuusers.de-Portal, das ein umfangreiches Wiki und ein nutzerstarkes Forum bietet. Durch die große Anzahl professioneller und freiwilliger Entwickler wird für zeitnahe und stabile (Sicherheits-) Updates gesorgt.

Wikipedia Artikel zu Ubuntu und Derivaten.


Ubuntu Gnome - unser favorit

Ubuntu Gnome ist ein offizielles Ubuntu Derivat (Ubuntu Flavour), das anstelle des Unity Desktop die Gnome Shell, GNOME 3 verwendet.

Im Gegensatz zu einem "normalen" Ubuntu mit nachinstalliertem Gnome Desktop kommt diese Distribution auch noch mit den Gnome Apps, die wirklich sehr schön und sinnvoll designt sind. (fast schon Mac-like)

Da in dieser Distribution Apps und Desktop auch gut aufeinander abgestimmt sind, läuft alles sehr stabil und zackig, auch wenn GNOME 3 sicherlich einer der aufwändigeren und stylischeren Desktops ist. ... Apropos – das Gnome Project ist einer der ältesten unabhängig entwickelten Desktopumgebungen überhaupt. Gnome wird komplett unabhängig, von einer non-profit Organisation, der Gnome Foundation entwickelt. GNOME galt bisher designmäßig eher als ein sehr "altbackener" Desktop und das lässt sich evtl. auch noch aus den packpapierbraunen Ordner-Icons* erahnen. Jedoch hat das GNOME Project nun quasi eine 180°-Wende vollzogen, was den Designansatz angeht. Und ... Junge, Junge! ... das sieht man auch!

Fazit, warum wir uns für Ubuntu GNOME entschieden haben:

  • Extrem stabile LTS Distribution mit zuverlässigen und stabilen Updates von Ubuntu.
  • Einer der modernsten, stylischsten Desktops mit schier unbegrenzten Möglichkeiten, Themes zu installieren und viele Details zu tweaken. 
  • Bei Systemfragen kann man 1:1 auf die Informationen zu Ubuntu zurückgreifen.
  • Seit GNOME 3.18: Dateimanager mit integrierten Onlineaccounts (z.B. Google Drive/Fotos - sehr praktisch!)

Schaut euch unbedingt Svens Ubuntu Gnome 16.04.1/GNOME 3.20 Desktop mit Docky Launcher, OSX-Arc-Shadow-Theme und La Capitaine Icons an! Ist zugegebenermaßen schon sehr Mac-like, aber auch leider sehr geil!  > Svens Desktop <

(Video kommt noch!)

 


elementary os - Unser designtip

elementary OS ist die mit Sicherheit am kompromisslosesten durchgestylte Distribution.

elementary OS eignet sich speziell für Umsteiger vom Mac und alle, die einen möglichst aufgeräumten Desktop und einfache, logische Bedienung schätzen. Der von elementary in Eigenregie entwickelte, schlanke "Pantheon" Desktop ist einfach der Hammer. Alles klappt und passt einfach und reagiert extrem knackig mit glatten Animationen, die nie übertrieben wirken. 

Wir haben zuhause elementary OS 0.3.2 "Freya" auf einem winzigen Intel NUC i3 laufen, der uns als Familienrechner dient, aber hauptsächlich vom weiblichen Familienoberhaupt genutzt wird. (...aber auch darauf haben wir selbstverständlich Minecraft installiert und getestet =)

 

Achtung: Auf der elementary Downloadseite wird der Eindruck erweckt, man müsste für den Download zahlen. Dem ist NICHT so! Man kann auch 0$ als benutzerdefinierten Betrag eingeben und dann downloaden. Das heißt aber nicht, dass man nicht trotzdem nachträglich etwas spenden sollte, wenn man dann das Betriebssystem nutzt und zufrieden damit ist.

Auch elementary OS basiert auf Ubuntu und wird daher genauso zackig mit Sicherheitsupdates versorgt.

elementary OS (0.3 / Freya)* hat aber leider auch seine Schattenseiten und daher kann ich es NICHT als Anfängerdistribution empfehlen:

  • Einige der installierten Standard-Apps, wie z.B. der Browser Midori oder der Email-Client Geary sind zu bugbehaftet bzw. auch zu minimalistisch und sollten entfernt und durch Firefox und Thunderbird ersetzt werden. UPDATE: In der neuen Version 0.4 "Loki" kommt nun der Browser Epiphany und ein überarbeiteter Email-Client zum Einsatz.
  • Ungewohnt: Der Dateimanager "Files" öffnet Dateien schon mit Einfachklick (statt Doppelklick). Es können standardmäßig keine Datein oder Ordner auf dem Schreibtisch abgelegt oder erstellt werden. Das läßt sich allerdings beides durch Nachinstallation des Dateimanagers Nautilus und Einstellungen mit dem Dconf-Manager beheben.
  • Unvorhersehbares Updateintervall: elementary OS wird von einem sehr kleinen Team, mit nur zwei Vollzeitprogrammierern und ansonsten nur Freiwilligen entwickelt. Es basiert auf den LTS Versionen von Ubuntu und wird veröffentlicht "wenn es fertig ist", was schon mal etwas dauern kann.

Fazit: Sehr schick und einfach zu bedienen, relativ geringe Systemanforderungen, erfordert jedoch einen gewissen Aufwand bei der Ersteinrichtung und Konfiguration.

Wenn man es aber einmal eingerichtet und konfiguriert hat, kann es jedoch praktisch ohne jeglichen Administrationsaufwand auch von weniger computeraffinen Menschen genutzt werden. 

 

*Die Veröffentlichung von elementary OS 0.4 Loki, basierend auf Ubuntu 16.04 LTS  ist jetzt für den 09.09.2016 angesetzt am 09.09.2016 erfolgt. Evtl. werden einige meiner "Minuspunkte" in der neuen Version behoben.

 

UPDATE: In der Tat gibt es neben einigen coolen neuen Features viele Verbesserungen unter der Haube, neue "Benachrichtigungen" und Indicator, eine super Unterstützung für HighDPI Displays und auch einen neuen Browser "epiphany" und ein neues Mailprogramm für diejenigen, denen Firefox und Thunderbird zu überladen sind.
Da unser (Mamas) Rechner aber unter 0.3.2 Freya sehr stabil läuft und ja auch noch für die nächsten Jahre mit Updates versorgt wird und die neuen Verbesserungen der Hauptnutzerin keine Vorteile bringen, werden wir momentan noch nicht auf 0.4 updaten.